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Tod auf Kredit

Tod auf Kredit

Quelle: Amazon

ISBN: 3499238470
EAN: 9783499238475
Herausgeber: rororo

9,90 EUR
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Tod auf Kredit
 

Kunden Meinungen

Tod auf Kredit

Datum:15.02.2008 - Rating: 4/5

"Tod auf Kredit" war mein erster Roman von Céline. Ich wusste zwar einiges über den Autor, launig soll er gewesen sein, ein Antisemit, kleinbürgerlich im Geiste, über seinen Stil hatte ich allerdings keine Vorurteile.
Ich hab das Buch sehr gerne gelesen. Céline schreibt lebendig, vermutlich, weil es mindestens halb-autobiografisch ist. Die Armut, die Existenzängste, der Schmutz und das Selbstmitleid der Eltern, alles kann man sich vorstellen, man hat richtig ein Bild vor Augen, wie es in dieser kleinen Pariser Passage gewesen sein muss. Durch Satzfragmente, Dialoge, Gedankengänge und Beschreibungen behält der Text seine Dynamik, man sollte sich von der Seitenzahl nicht abschrecken lassen, es liest sich locker hintereinander weg.
Das einzige, was ich zu bemängeln habe, ist das letzte Viertel. Es ist zwar nur Geschmacksache, persönlich wird es mir etwas zu fiktiv, als das "Piratendasein" in der Provinz beschrieben wird. Dadurch, dass alles vorangegangene immer sehr Nahe an der Biografie des Autors zu sein schien, kann man diesen Teil plötzlich nicht mehr ganz ernst nehmen, es ist einfach zu überzogen. Trotzdem, ein gutes Buch.
Auf jeden Fall werde ich auch noch "Reise ans Ende der Nacht" lesen.

Die Zeit heilt nicht immer alle Wunden

Datum:15.05.2006 - Rating: 5/5

Nachdem mich Celine mit "Die Reise ans Ende der Nacht" mehr als nur begeisterte, habe ich mich überschwänglich an sein 2. großes Werk gemacht.
Erzählt wird in ihm die stark autobiographisch geprägte Adoleszentgeschichte des jungen Ferdinad bis zu seinem freiwilligen Millitäreintritt. Im Rückblick lässt Ferdinand die Schrecken seiner von bitterer Armut geprägten, verkorksten Kindheit, den Kampf gegen seine halbverrückte Verwandschaft und andere Übelnisse seines Erwachsenwerdens revauepassieren.
In der Geschichte jagt der junge Ferdinand von den Skurilitäten seiner Kindheit, über die Wirren seine Schulzeit, bis zu seinem andauernden Scheitern an verschiedenen Lehrstellen ins Erwachsenenleben.
Nachdem er nach einer wilden Prügelei mit seinem tyrannischen Vater ganz auf der Straße landet, verschlägt es ihn zu einem betrügerischen Tausendsasser, der ihn nach vielen verqueerten Eskapaden allein auf der Welt zurücklässt.

Verglichen mit der "Reise" wirkt die Sprache hier noch härter, der Spott noch beißender und die Realität der Handlung noch unwirklicher. Celine tobt noch wilder durch die Schrecken seiner Vergangenheit und versprüht Bosheit nach Karrikaturen seiner früheren Peiniger!
Der Witz und der Sarkasmus seiner Sprachmittel sind malwieder überwältigend, ohne jedoch jemals platt zu werden. Lediglich am Ende lässt der Autor an seinem Helden eine naive Traurigkeit, aufgrund der Brutalität seiner Lebenswirklichkeit erkennen.

Unbeschreibliches Lesevergnügen!!!

700 Seiten Genuß

Datum:20.01.2005 - Rating: 5/5

Gerade heute wird am belletristischen Markt ein bißchen zuviel Genre-Literatur angeboten. Gut verfertigt, aber berechenbar und sprachlich ein bißchen fade. Oder man hat es mit Literatur zu tun, die ungenießbar ist, weil gnadenlos selbstbezogen und schlecht ausgegoren und handlungsmäßig scheintot.

Celine ist für einen von der überbordenden McDonalds-Lektüre anämisch gewordenen Leser eine große Entdeckung. Ein Arzt aus einem Armenviertel, der gegen seine Patienten keift mit so komischen Einfällen, dass man beim Lesen schmunzelt. Einer, der präzise und mit unerschöpflichem Wortschatz Fieberträume oder erotische Phantasien wiedergibt. Einer, der eine armselige Kindheit und das Abrutschen in eine nihilistische, anarchistische Gossenexistenz präzise und so überzeugend darstellt, dass man am Liebsten selbst alles Bürgerliche abstreifen würde - und der dann beweist, dass Exzentriker und Lebenslügner und Traumtänzer auch einen therapeutischen Einfluss haben können, der eine versaute Kindheit schon mal aufwiegt. All das ist Kraftfutter und ermutigend zur Potenz - auch wenn manche das Pessimistische an Celine so betonen.

Bei dem Buch hat es wenig Sinn, die Handlung wiederzugeben. Ja, es ist eine Coming-of-Age-Story, ein Entwicklungsroman, wie man ihn schon seit Charles Dickens kennt. Hier aber ist Dickens auf Speed, und das gibt dem Buch einen derartigen Drive beim Lesen, dass man im Vergleich den gewieftesten Thriller gelangweilt zur Seite legt.

Einziger Wermutstropfen: Dass man sich von Seiten des Verlags nicht die Mühe gemacht hat wie beim zweiten großen Roman Celines "Reise ans Ende der Nacht", eine neue Übersetzung zu machen. Ich persönlich kann mit Begriffen wie Präpeln (Essen) oder Quanten (Füße) erst seit diesem Buch etwas anfangen. Manche Ausdrücke deren sonst gelungenen Übersetzung aus dem Jahre 1951 sind mittlerweile hilflos antiquiert.

Hypnose durch Sprache

Datum:09.01.2005 - Rating: 5/5

„Tod auf Kredit", Celinés zweiter Roman, bildet die unmittelbare Vorgeschichte zu „Reise ans Ende der Nacht", beschrieben wird Kindheit und Jugend von Celinés alter ego Ferdinand Bardamu, bis zu seiner freiwilligen Meldung zur Armee am Vorabend des Ersten Weltkriegs; man konnte sich ja schon nach Lektüre des Erstwerkes denken, dass der Autor als Kind einiges mitgemacht haben muss, und der erwartungsvolle Leser wird nicht enttäuscht.

Der junge Ferdinand wächst als Sohn des cholerischen Beamten Auguste, der immer noch seinen gescheiterten Träumen von der Marine nachtrauert, und der nachsichtigen und schwachen Clemencé auf; die Eltern betreiben zusammen eine Zierschneiderei in einem Pariser Armenviertel. Sowohl Mutter, als auch Sohn haben die gewalttätigen Wutausbrüche des Vaters zu ertragen, die Spannung in der kleinen Wohnung nimmt von Jahr zu Jahr zu.
Ferdinand erlebt Armut und häusliche Gewalt, scheitert sowohl in der Schule als auch bei der Berufssuche und wird von den verzweifelten Eltern schliesslich auf ein Internat in England geschickt. Doch auch Großbritannien erweist sich nicht als die rettende Insel für Ferdinand, wird er durch die strenge Behandlung von Lehrern und Mitschülern lediglich in seiner einzelgängerischen, misstrauischen Einstellung bestätigt, und kehrt schlussendlich ohne einen vollständigen Satz Englisch nach Paris zurück.
Nachdem Ferdinand seinen Vater in einer heftigen Auseinandersetzung über diese Enttäuschung beinahe umbringt, ergreifen die Eltern eine letzte Maßnahme, und schicken Ferdinand schliesslich zu einem wohlwollenden Onkel, der garantiert, ihm einen sicheren Job vermitteln zu können. Und so landet Ferdinand schliesslich bei dem verschrobenen Erfinder und Visionär De Courtial, dessen Sekretär und Lehrling er wird.
Was Ferdinand mit diesem (zu recht) verkannten Genie erlebt, die verschiedenen Projekte zur Weltverbesserung, die alle getestet werden müssen, sowie die ewige Suche nach einem Wohltäter, der dem Erfinder zum Durchbruch verhelfen kann, machen den zweiten Teil des Romans aus.

Die unzusammenhängende Erzählweise, die schon in „Reise ans Ende der Nacht" auffiel, wird in diesem Roman noch um ein vielfaches gesteigert, der Autor setzt sich über jede Regel von Satzbau oder Interpunktion hinweg, verbindet seine Satzfragmente nur durch Bindestriche, aber erschafft gerade dadurch eine unglaubliche Intensität.
Die Armut und das menschliche Elend, das Celiné in seiner Kindheit erlebt hat, muss in seinem Geist wirkliche Furchen gezogen haben, anders ist eine derartige Sprachgewalt nicht zu erklären. Seine Beschreibungen des muffigen Ladens der Eltern, eines verdreckten britischen Vororts, des schlechten Essens des Internats, sind derart zum Greifen echt, dass man beim Lesen schlichtweg alles um sich herum vergisst.
Man kann buchstäblich bei jedem beliebigen Absatz anfangen zu lesen, und wird doch jedesmal von dem unwiderstehlichen Sog der Sprache gepackt. Das ganze Buch gleicht einer Lawine aus Wut, Verzweiflung, Angst, Gewalt, Immoralität und Pornographie, die den unvorbereiteten Leser erbarmungslos mit sich fortreisst.

Der entscheidende Unterschied zu „Reise ans Ende der Nacht" besteht jedoch darin, dass Ferdinand trotz all dem Elend, das er erlebt, niemals seinen Humor verliert. Die rückblickende Erzählweise bleibt von Anfang bis zum Ende zynisch und sarkastisch und die beschriebenen Erlebnisse komisch-grotesk, der junge Ferdinand ist scheinbar noch weit von den Gedanken und Reflexionen entfernt, die „Reise ans Ende der Nacht" immer eine Spur von Melancholie und Tragik gaben, und die man hier ein klein wenig vermisst.
Welches von den beiden Büchern das bessere ist, ich möchte mir kein Urteil anmaßen, muss jeder für sich selbst entscheiden. Dass „Tod auf Kredit" ein erstklassiger Roman ist, steht jedenfalls nicht zur Debatte..

 

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